Free Hugs in Munich

Kostenlose Umarmung in München


Es war am Samstag den 17. Mai 2008
von 16:00 - 18:30 Uhr, zwischen
Stachus und Marienplatz vor dem
Jagd- und Fischereimuseum


Elf "Free-Hugger" darunter drei "Gast-Hugger" extra aus Frankfurt angereist waren dabei.
Ebenso gesellten sich im laufe der Zeit auch über 10 Passanten als "Free-Hugger" dazu und boten ihrerseits Gratisumarmungen an.
So waren es an diesem Tag leicht über 300 Umarmungen die kostenlos verteilt wurden!

Wir danken allen, die mitgemacht haben und sind bald wieder mit einem neuen Termin am Start!

Ein kleiner Erfahrungsbericht von, mir Marcus Türner...

Kurz vor 16 Uhr machte ich mich auf dem Weg von der Elisenstraße in Richtung Stachus zum verabredeten Treffpunkt vor dem Jagd- und Fischereimuseum in der Kaufingerstraße. Ich war höchst aufgeregt und es war mir allein schon etwas peinlich mit einem kleinen Schild herum zu laufen, worauf stand "Gratis Umarmungen" mit einem Smiley.
Ich hielt es möglichst unauffällig an der Seite, um ja nicht damit aufzufallen. Wie würden mich die Menschen beurteilen, die mich damit sehen. "Ein Verrückter!" oder "Wieder so ein Eso-Typ!"

Na ja, nun war es eigentlich zu spät sich darüber sorgen zu machen, gleich renne ich sowieso damit hochhaltend umher und jeder kann es sehen, wofür ich mich einsetze! Ok, dann kann ich auf dem Weg zum Treffpunkt schon mal üben das Schild etwas (so vor meiner Brust haltend) zu zeigen, um zu sehen wie die Menschen so an mir vorbeigehen und ob sie es bemerken. Ich kam nicht umhin ein Grinsen aufzulegen a) um meine Scham vielleicht zu verbergen und b) weil ich einfach gut drauf war und es eh nicht anders ging.

So marschierte ich grinsend mit dem Schild vor mir haltend Richtung Treffpunkt. Und ja die Menschen sahen mich und bemerkten es. Ich konnte es hören, wie sie es zu sich untereinander sagten "Gratis Umarmungen". Und ich sah auch, wie manche auf mich oder auf das Schild reagierend ebenfalls mit einem Lächeln an mir vorbeigingen. Es wurde aus meiner Wahrnehmung heraus positiv aufgenommen auch manchmal lächerlich aber das störte mich nicht.

Fluchs war ich am Treffpunkt und erkannte gleich ein paar der "Mithugger" mit denen ich verabredet war. Aber kaum kam ich an, wurde ich schon von einem Passanten stürmisch umarmt, den ich erst erblickte als er 30 cm vor mir auftauchte und ich gar nicht gefasst darauf war.

Nunja, so war also mein Einstand in die erste Umarmungsaktion, ohne mich recht vorbereiten zu können und schon war dadurch auch das Eis gebrochen und nach dem ich mich mit den "Mithuggern" bekannt machte hielt ich zugleich mein Schild ganz hoch über mir, sodass es jeder sehen konnte.

Jetzt geht's richtig los und ich zeig mich und wofür ich stehe ganz ungeniert. Das Grinsen schneidete sich dauerhaft in mein Gesicht, weil es gar nicht mehr anders ging. Ich lief rum und freute mich der Energie, die ich in mir trug und war auch mit großer Freude im Beobachtungsmodus, wie die Menschen das nun so wahrnahmen.
Ohne große Absprache fingen wir nun alle an, die Schilder hoch zu halten und uns im Umkreis von 10 - 20 Metern hin und her zu bewegen.

Es war witzig zu beobachten, wie viele uns von weitem erkannten und sofort einen größeren Bogen um uns herum machten, um ja nicht mit unserer Aktion kompromittiert zu werden - andere gingen unbeeindruckt mit unnahbarer Mine durch uns durch.

So langsam fanden sich aber mehr und mehr, die sich spontan umarmen ließen oder die erst ein paar Schritt an uns vorbei machten, um sich dann doch zu überwinden.

Ich stellte mit Freuden fest, wie viele junge Menschen sich trauten eine Umarmung abzuholen oder einzufordern. Neben ein paar despektierlichen Äußerungen die im Vorbeigehen fielen, gab es viele viele schöne Effekte zu beobachten. Menschen fingen das Lächeln an.


Pärchen umarmten sich demonstrativ gegenseitig vor uns und wir begrüßten dies lauthals unsererseits. Andere blieben stehen und sahen uns eine Zeitlang zu oder fotografierten uns als "Urlaubseindruck" von allen Seiten.

Schnell kamen ein paar Passanten, die sich uns anschlossen und Ihrerseits "Free Hugs" verteilten und spontan von der Aktion begeistert waren.

Oft wurden wir auch befragt, warum wir dies machten und so manchem reichte es nicht, dass wir außer der positiven Tat der Umarmung selbst, kein weiteres direktes Ziel verfolgten.

Ich sagte einfach oft, dass es einfach ein Gegengewicht zu der alltäglichen ausgetragenen Distanz zwischen den Menschen ist. Manche sagten "Für mehr Lebensfreude" oder auch "Für den Weltfrieden" oder wie auch immer, letztlich wurde es verstanden.

Interessant war für mich die Feststellung, dass vor allem ältere 60 oder 70+ (Einheimische) diese Aktion meist sogar negativ bewerteten und gar kein Verständnis dafür hatten aber es gab auch Ausnahmen hierfür
Jugendliche ab 15 und junge Erwachsene zwischen 20 und 25 waren dafür erfreulicherweise sehr offen dafür und hatten keine Hemmungen.

Ältere Touristen hatten weniger ein Problem mit diesen Umarmungen und auch sogar ein paar Polizisten holten sich ihre Umarmung ab und hießen diese Aktion für positiv!

Auch wunderte mich, dass ich von so vielen Männern (70% meiner Umarmungen) umarmt wurde, obwohl wir doch so eine schöne Auswahl hübscher Frauen dabei hatten.

Ich wurde also in allen Dingen überaus positiv überrascht. Anfängliche Bedenken, ich könnte nicht jeden Umarmen, der das von mir wollte zerstreuten sich sofort, da ich so guter Laune war, dass es für mich unerheblich war, wen ich umarmte, selbst Angetrunkene bekamen ihre Umarmung, die auf dem Weg zur Meisterschaftsfeier am Marienplatz waren.

Am meisten begeisterten mich diese zwei jungen Mädels, die sich schon ziemlich bald zu Anfang uns anschlossen und bis zum Schluss (und darüber hinaus) mit uns mitmachten und charismatisch ihre Umarmungen verteilten und selbst höchst begeistert waren.

Selbst als wir nach knapp 2 Stunden die Aktion beendeten, um uns noch im Augustiner zu einem Umtrunk zusammenzusetzen wollten sie ihre Schilder behalten und weitermachen, weil sie es so toll fanden.


Wir waren also 11 "Free-Hugger" schon ohne die Passanten, die sich uns teilweise oder ganz anschlossen. So war die ganze Aktion ein voller und toller Erfolg. Alle waren danach so begeistert, dass sie das zeitnah wiederholen wollten, was wir auch tun werden.

Was auch noch erwähnenswert ist, ist dass uns das Wetter gnädig war, denn trotz einer vorhergesagten Niederschlagswahrscheinlichkeit von 93% an diesem Tag, bekam keiner von uns einen Tropfen Regen ab während der Aktion. Auf der Hinfahrt fuhr ich durch Regen dort angekommen hatte ich den Schirm umsonst dabei - es klarte sogar währenddessen etwas auf und eine kleine Wolkenlücke tat sich über unseren Köpfen auf. Danach wurde es prompt schlechter und am Abend regnete es auch wie vorhergesagt. Da wir alle gutes bzw. trockenes Wetter dafür bestellt hatten verwunderte es niemanden, dass es genauso war.











Einen Dank an die Fotografen - Jürgen Rost und Norbert Lauterbach (www.nokidesign.de)
Text und Video Marcus Türner (www.tuerner.de)




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